Soziale Medien: das Ende des Personalentwicklers?


Auf dem Corporate Learning Camp 2011 in Darmstadt, meinem ersten Barcamp, bot ich eine Session an zum Thema „Soziale Medien: das Ende des Personalentwicklers?“.

Dabei ging es mir um die Fragen

  • inwiefern Personalentwicklung mit der Funktion der Trainingsabteilung/eines Trainingsanbieters gleichgesetzt wird.
  • welchen Einfluss soziale Medien auf die Rolle des Personalentwicklers haben werden.

Mein Impulsvortrag beleuchtete meine Sicht auf die Funktionen der Personalentwicklung, neue Möglichkeiten im Lernen und der Lernförderung durch die Digitalisierung/soziale Medien sowie einige Thesen zu Auswirkungen auf die Rolle des Personalentwicklers entlang der Aufgaben im Bereich Kompetenzaufbau.

Impuls: die Funktionen der Personalentwicklung

Kompetenzmanagement als Kontext

  • Kompetenzaufbau = Personalentwicklung
    • Bedarfsanalyse
    • Konzeption
    • Durchführung
    • Management des Lerntransfers
    • Evaluation
    • Schulungs-/Teilnehmerverwaltung
  • Kompetenzlenkung
  • Kompetenzbindung

Impuls: Möglichkeiten im Bereich des Lernens und der Lernförderung durch Digitalisierung/soziale Medien

  • Formales Lernen: Trainergestützt: Präsenzschulungen / Webinars
  • Nicht formales Lernen: Nicht trainergestützt, aber in Bezug auf Lernziele, Lerndauer und Lernmittel systematisch, z.B. Selbstlernlösungen: Aufbau von Selbstlernlösungen
  • Informelles Lernen: Nicht trainerbegleitet, beiläufig / nichtintentional, z.B. Wiki, Blog, externe Wissensquellen, soziale Netzwerke, soziales Lernen: Förderung von Gelegenheiten des Wissenserwerbs und der Verfügbarkeit des Wissens

Impuls: Einfluss sozialer Medien auf die Rolle des Personalentwicklers: einige Thesen entlang der Funktionen im Kompetenzaufbau

Funktion These
Bedarfsanalyse Motivationsbedarf wird bedeutender gegenüber Qualifikationsbedarf
Bedeutung der Bedarfsanalyse im Unternehmen gleichbleibend
stärkerer Fokus auf wenig neugierige, in der eigenen Weiterbildung wenig aktive, wenig IT-affine Mitarbeiter
Konzeption weniger Schulungskonzeption
mehr Programmkonzeption
mehr Konzeption der Unterstützung des Lernens
mehr Fokus auf Definition von zu erreichenden Kompetenzstandards
Durchführung sinkt in der Bedeutung, weniger Standardisierung der Kompetenzvermittlung
steigende Bedeutung informellen Lernens
weniger Schulungen / weniger Fokus auf „Wissensvermittlung“
Schulungen bekommen Konkurrenz durch soziale Medien
mehr Unterstützung des Lernens
größere Bedeutung der Kommunikation erwarteter Wissens- und Kompetenzstandards/-ziele
wenig Veränderungen bei Verhaltenstrainings, da nur bedingt elektronisch substituierbar
Management des Lerntransfers wird komplexer, da der Zeitpunkt des Wissenserwerbs weniger bestimmbar ist
weniger Fokus auf maßnahmenbezogenen Lerntransfer, stärkerer Fokus auf Rahmengestaltung
Evaluation Bedeutung zunehmend
Gewährleistung erfolgskritischer Kompetenzstandards
Schulungs-/Teilnehmerverwaltung Bedeutung erreichter Kompetenzstandards wird wichtiger
weniger Bedeutung der Dokumentation absolvierter Schulungen (Schulungsteilnahmen/Anwesenheit/ Teilnahmebescheinigungen)

Diskussion und Ergebnis

Daraus entstand eine spannende Diskussion mit zahlreichen corporate learning-Experten. Die Session endete für mich mit den Schlussfolgerungen, dass PE mehr ist als nur Trainings anzubieten und dass soziale Medien weder zum Ende der Trainingsfunktion in Unternehmen noch zum Ende des Personalentwicklers führen werden, sondern dass es vielmehr zu einer Anpassung einzelner Funktionen des Personalentwicklers entlang der neuen technischen Möglichkeiten sozialer Medien kommen wird.

Einige zentrale Thesen:

  1. Die Konzeption wird sich mehr auf zu erreichende Kompetenzstandards und die Definition von empfohlenen Lernpfaden (den Weg zur Erreichung dieser Standards) konzentrieren.
  2. In der Durchführung wird mehr Freiheit für das Selbstlernen eingeräumt, es wird mehr Variation beim Lernpfad geben. Ein mögliches Vermittlungsmonopol des Trainingsbereichs wird aufgeweicht.
  3. In der Evaluation wird die Gewährleistung erfolgskritischer Kompetenzstandards über Definition, Kontrolle und Zertifizierung dieser Standards an Bedeutung zunehmen.

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